Fürth

Okt 25, 2019 | METROPOLREGION

So lässt es sich leben in der Metropolregion

Text Katharina Wasmeier

Wer auch immer die Mär vom Schmuddelfürth geprägt hat, der war mindestens eins: schon ziemlich lange nicht mehr dort. Denn ungeachtet der unausmerzbaren Lästereien über Westvorstadt und „lieber Fümfdä als Färddä“ hat sich die unterschätzte Stadt im mittelfränkischen Ballungstriangel ganz gemütlich und im eigenen Tempo vor sich hin gemausert. Und schon längst wird Fürth auch unter eingefleischten Nürnbergern als Geheimtipp gehandelt.  Dass die kurzen Wege, zumal hinab in die Natur, auch von Familien freilich gern angenommen werden, steht außer Frage. Doch abgesehen vom Grün der Flussauen und Parkanlagen, von denen die Stadt gemäß Blätterwappens zuhauf verfügt, gibt es hier auch zahlreiche Einrichtungen, die ganz und gar von Menschenhand geschaffen sind – und zwar einzig zu dem Zweck, Kinderherzen jauchzen zu lassen. 

Als Einstieg empfiehlt sich eine Erkundungstour mit dem Fahrrad, mit dem in der 120.000-Einwohner-Stadt so ziemlich alles gut erreicht ist. „Uferstadt Fürth“ ist zwar nur der Name eines Gewerbeparks, doch dürfte der mit Fug und Recht auch für die ganze Stadt verwendet werden. Während sich nämlich von links unten der Europakanal anschleicht und die Süd- und Weststadt sanft umarmt, fließen Pegnitz und Rednitz mittendurch, um sich noch in der Stadt zur Regnitz zu vereinen. Wer hier spaziert, radelt, Spielplätze erkundet, findet nicht nur lauschige Plätzchen und Parkanlagen, sondern Spaßorte wie die Fürther FreiZeit: Minigolfcharme mit Beachbar, gut für Radlpausen mit großer Verweilgefahr. Die besteht auch für alle, die sich entlang der Rednitz-Uferpromenade unterhalb der Stadthalle plötzlich in lautem Geplansche wiederfinden, Musik hören und frohen Menschen ausweichen müssen: Im Kult(ur)Ort Café Badehaus gibt es Kunst und offene Herzen, in denen der alten Tage als Flussbad mit Hingabe gedacht wird – und Kindern nicht nur reichlich Platz gemacht, sondern die Ausflugsideen mit dem Schlauchboot vor die Füße gepaddelt werden: Weite Flussabschnitte dürfen hier nämlich mit Muskelkraft befahren werden.

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Und wer doch lieber läuft, aber gerne mit Kleid und Ziel, kann sich auf eine der beiden Stadtökologischen Lehrpfade des Bund Naturschutz begeben, die mit drei oder sieben Kilometern und vielen Schautafeln über Altstadt, Friedhof oder Wolfsschlucht führen und dabei Wissenswertes über Mensch, Tier und Natur vermitteln. Viel, viel freier ist der Mehrgenerationenspielplatz im Wiesengrund (im Flussdreieck) und ungefähr so alt wie seine durchschnittlichen Besucher, für die er neben Schaukeln, Trampolinen, Labyrinthen, Kletterfels und Seilgarten vor allem straßenferne Entspannung für die Eltern bietet – etwa bei Schach oder Backgammon oder mit den großen Kindern beim Skaten. Sollten bei so viel Bewegungsdrang die Klamotten in Mitleidenschaft gezogen werden, empfiehlt sich ein Abstecher zu Jaques Kinderwelt: Mit viel Liebe kuratieren die Inhaberinnen ein Riesensortiment second-hand-verlesener Klamotten für die ganz Kleinen bis Größe 140, von Frühjahrsrock bis Matschhose. Von Puzzle über Holzspielzeug bis Buch gibt es gleich noch das passende Unterhaltungszubehör. Denn auch  wenn das Milchhäusle ganzjährig Kindereiskugeln anbietet und das Babylon Kino neben dem monatlichen Kinderfilm Jugendspecials wie die GEW-Filmtage im Programm hat, können Schlechtwettertage ganz schön lang werden. 

Große Kinder räumen sich meist selbst gut auf – die vielen Jugendhäuser wie das Bubbles, Hardhöhe oder Zett9 dienen nicht nur als
Anlaufstelle, sondern bieten auch unzählige
Angebote für jede Altersgruppe, in denen gewerkt, getanzt, gebastelt, ins stadtpolitische Geschehen geschnuppert oder selbst die Initiative ergriffen werden kann. Das Kinder- und Jugendhaus Catch Up bietet für junge Menschen zwischen zehn und 18 Jahren an, Skateboards oder Scooter zu reparieren, Schmuck herzustellen, Sport zu treiben – vor allem aber Projekte, in denen Jugendliche sich ausprobieren und bei der Ideenumsetzung professionell begleitet werden können. Dem hat sich auch der FabLab e. V., Anfang 2019 von Nürnberg nach Fürth verzogen, verschrieben:  Der ehrenamtlich geführte Verein erwartet große und kleine Bastler, Handwerker, Tüftler und solche, die es werden sollen, mit einer riesigen Werkstatt, die in puncto Gerät und Material kaum Wünsche offen lässt. Zum Angebot gehört auch das KidsLab: Jeden Freitagnachmittag können Kinder von acht bis 15 Jahren unter Anleitung und Aufsicht eigene Ideen in die Tat umsetzen – oder erst einmal herausfinden, was denn eine umsetzbare Idee sein könnte, die man lasert, schnitzt und auf T-Shirts druckt. 

Oder einfach schauen, was andere (sich) in der Vergangenheit geleistet haben. Das zeigt das ziemlich junge Kriminalmuseum, in dem auf 200 Quadratmetern scharfe Blicke auf die Geschichte des Verbrechens, den aktuellen Stand und aber auch auf Präventionsarbeit geworfen werden – und dabei gerade jungen Besuchern vor Augen geführt wird, warum sich kriminelle Karrieren nicht lohnen, sondern man seine Zeit viel besser im Rundfunkmuseum vertrödeln kann. Das zeigt nicht nur, wie das mit dem Fernsehen und Radio eigentlich angefangen hat und letztlich auch das mit den Smartphones, sondern hat neben regelmäßigen Angeboten für Kinder wie den Bau einer Miniorgel mit der Jugend-Technik-Akademie ein Superspezialgeburtstagsangebot: Hier können Geduldsspiele oder echte Morseapparate gelötet werden. Oder aber man produziert ein eigenes Hörspiel mit wahnwitziger Geräuschkulisse, verteilten Rollen und einer waschechten CD zum Mitnehmen.

Entspannt einfach nur zuhören geht auch: Die Volksbücherei Fürth bietet beispielsweise in der Zweigstelle Fronmüllerstraße immer donnerstags um 15.30 Uhr gratis Vorlesenachmittage für die ganz Kleinen an, in der Neuen Mitte dienstags um 16 Uhr. Gleich nebenan ist der Hort für alle Mamas und Papas, die nach so viel Action auch mal ein bisschen Ruhe wollen: Das Handicap-Café Samocca, eine Einrichtung der Lebenshilfe, wartet nicht nur mit Begegnungsatmosphäre in stylishem Design auf, sondern auch mit Spielecke, Wickeltisch und rundum (klein-)kinderfreundlichem Ambiente. 

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